10 Jahre DSGVO: Datenschutz wird für Firmen immer komplizierter
• 26.05.26 Zehn Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Datenschutz ist in deutschen Unternehmen angekommen. Gleichzeitig berichten viele Firmen von wachsender Bürokratie, steigenden Kosten und immer größerer Rechtsunsicherheit. Besonders deutlich wird das inzwischen beim Einsatz von KI, Datenanalysen und internationalen Datentransfers.
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DSGVO-Bilanz 2026: Datenschutz sitzt, doch der Aufwand explodiert
97 Prozent klagen über hohen Aufwand und neue KI-Probleme
Die aktuelle Langzeitstudie des Digitalverbands Bitkom zeichnet deshalb kein einfaches Erfolgsbild. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Datenschutz-Grundverordnung für viele Unternehmen zu einer Daueraufgabe geworden ist, die niemals wirklich abgeschlossen werden kann.
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| 10 Jahre DSGVO: Datenschutz wird für Firmen immer komplizierter -Bild: © Bitkom |
Dabei hatte die europäische Datenschutzreform ursprünglich ein klares Ziel. Einheitliche Regeln sollten mehr Rechtssicherheit schaffen und gleichzeitig den digitalen Binnenmarkt stärken. Zehn Jahre später sehen viele Unternehmen die Realität allerdings deutlich komplizierter.
Bitkom-Bilanz: Unternehmen haben die DSGVO umgesetzt, aber nicht abgehakt
Kurz vor dem Start der DSGVO im Jahr 2018 hatten laut Bitkom lediglich 7 Prozent der Unternehmen die Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt. 2024 lag dieser Wert bereits bei 71 Prozent. Das zeigt deutlich, dass Datenschutz inzwischen fest in den Geschäftsprozessen deutscher Unternehmen verankert ist.
Doch parallel dazu wächst die Belastung. Während 2016 noch 25 Prozent der Firmen angaben, die DSGVO mache ihre Prozesse komplizierter, sagen das inzwischen 81 Prozent der Unternehmen. Gleichzeitig bewerten 97 Prozent den Aufwand für Datenschutz inzwischen als hoch oder sogar sehr hoch.
Das Problem liegt aus Sicht vieler Unternehmen weniger in der Existenz des Datenschutzes selbst. Die meisten Firmen akzeptieren Datenschutz längst als festen Bestandteil moderner Digitalisierung. Schwieriger wird vielmehr der praktische Alltag. Neue Technologien, ständig wechselnde Rechtsbewertungen und unterschiedliche Auslegungen der Behörden sorgen für Unsicherheit.
Zentrale Zahlen aus der DSGVO-Studie
| Thema | 2016 bis 2020 | 2024 bis 2025 |
|---|---|---|
| DSGVO weitgehend umgesetzt | 7 Prozent | 71 Prozent |
| Geschäftsprozesse komplizierter | 25 Prozent | 81 Prozent |
| Datenschutz-Aufwand hoch | 40 Prozent | 97 Prozent |
| Rechtsunsicherheit als Problem | 35 Prozent | 82 Prozent |
| DSGVO nie vollständig abgeschlossen | keine Angabe | 86 Prozent |
Auch der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich. Immer mehr Unternehmen suchen Datenschutzexperten, Compliance-Fachkräfte und spezialisierte Juristen. Laut Bitkom beklagen inzwischen 38 Prozent der Unternehmen fehlendes Personal im Datenschutzbereich. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Warum 81 Prozent der Firmen kompliziertere Geschäftsprozesse sehen
Viele Unternehmen erleben Datenschutz inzwischen als ständige Baustelle. Neue Software, Cloud-Dienste, KI-Anwendungen oder internationale Plattformen bringen regelmäßig neue Fragen mit sich. Besonders problematisch bleibt dabei die Rechtsunsicherheit.
82 Prozent der Unternehmen nennen laut Bitkom unklare Datenschutzvorgaben als eine der größten Herausforderungen. Das betrifft nicht nur große Konzerne, sondern zunehmend auch Mittelständler und kleinere Firmen.
Gerade bei internationalen Datentransfers bleibt die Lage schwierig. 61 Prozent der Unternehmen übermitteln personenbezogene Daten in die USA. Gleichzeitig wünschen sich 71 Prozent tragfähige politische Lösungen für den Datentransfer außerhalb der EU.
Die Diskussion ist dabei nicht neu. Schon seit Jahren sorgen Themen wie der Wegfall von Privacy Shield, neue EU-US-Abkommen und unterschiedliche Datenschutzstandards für Unsicherheit.
Zusätzliche Komplexität entsteht außerdem durch unterschiedliche Bewertungen der Datenschutzbehörden. Viele Unternehmen berichten, dass einzelne Aufsichtsbehörden dieselben Sachverhalte unterschiedlich interpretieren. Genau das war eigentlich einer der Punkte, die durch die DSGVO vereinheitlicht werden sollten.
Die größten Datenschutz-Probleme aus Sicht der Unternehmen
| Problemfeld | Anteil der Unternehmen |
|---|---|
| Rechtsunsicherheit | 82 Prozent |
| Hoher Datenschutz-Aufwand | 97 Prozent |
| Kompliziertere Geschäftsprozesse | 81 Prozent |
| Fehlende Datenschutz-Fachkräfte | 38 Prozent |
| Probleme bei internationalen Datentransfers | 71 Prozent |
Hinter den Zahlen steckt deshalb auch ein strukturelles Problem. Datenschutz ist heute kein einzelnes Projekt mehr, sondern eine dauerhafte Management-Aufgabe.
KI wird zur neuen Bewährungsprobe für den Datenschutz
Besonders spannend wird die Entwicklung beim Thema KI Datenschutz. Genau hier zeigt sich inzwischen der größte Konflikt zwischen technologischem Fortschritt und europäischen Datenschutzregeln.
69 Prozent der Unternehmen sagen inzwischen, dass Datenschutz das Training von KI-Modellen mit ausreichend Daten erschwert. 2023 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent. Gleichzeitig glauben 63 Prozent der Unternehmen, dass Europa KI-Entwickler durch seine Datenschutzpraxis verliert.
Das betrifft nicht nur große KI-Modelle, sondern auch klassische Analyseprojekte. Laut Studie berichten 59 Prozent der Unternehmen, dass Datenpool-Projekte wegen Datenschutzvorgaben gescheitert sind oder gar nicht erst begonnen wurden.
Damit steht Europa vor einem schwierigen Spagat. Einerseits sollen personenbezogene Daten geschützt werden. Andererseits braucht moderne KI enorme Datenmengen, um leistungsfähig zu funktionieren.
Genau deshalb wird inzwischen intensiv über eine Reform oder zumindest Vereinfachung bestehender Regeln diskutiert. Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte Digital Omnibus der Europäischen Union.
Warum KI und Datenschutz immer stärker kollidieren
Viele KI-Systeme benötigen große Mengen an Trainingsdaten. Dazu gehören häufig auch personenbezogene Informationen oder Daten mit indirektem Personenbezug. Unternehmen müssen deshalb prüfen, welche Daten verwendet werden dürfen, wie lange sie gespeichert werden und ob eine Rechtsgrundlage vorhanden ist.
Gerade hier entsteht aus Sicht vieler Firmen ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA oder China. Während dort oft pragmatischer gearbeitet wird, gelten in Europa deutlich strengere Datenschutzregeln.
Allerdings sehen Datenschützer genau darin einen Vorteil. Sie argumentieren, dass Vertrauen langfristig wichtiger sei als möglichst schnelle KI-Entwicklung.
Digital Omnibus: Kommt jetzt die DSGVO-Reform?
Die Diskussion um eine mögliche Vereinfachung der Datenschutzregeln nimmt inzwischen deutlich Fahrt auf. Unternehmen fordern vor allem mehr Rechtssicherheit und weniger Bürokratie.
Dabei geht es nicht unbedingt um eine komplette Abschaffung bestehender Regeln. Viele Firmen wünschen sich vielmehr eine stärkere Risikoorientierung. Formalitäten ohne echten Mehrwert sollen reduziert werden, während kritische Datenbereiche stärker geschützt bleiben.
Gleichzeitig warnen Datenschutzbehörden davor, bestehende Standards zu stark aufzuweichen. Der Europäische Datenschutzausschuss betont, dass Vereinfachungen nicht zulasten des Grundrechtsschutzes gehen dürfen.
Die kommenden Jahre dürften deshalb entscheidend werden. Europa versucht aktuell, gleichzeitig Datenschutzstandort und KI-Standort zu sein. Genau dieser Balanceakt wird immer schwieriger.
Was die Zahlen für Unternehmen und Verbraucher bedeuten
Für Verbraucher bleibt die DSGVO weiterhin ein wichtiges Schutzinstrument. Rechte wie Datenauskunft, Löschung oder Einwilligungsmanagement gehören inzwischen zum digitalen Alltag.
Für Unternehmen dagegen wächst der Druck weiter. Datenschutz betrifft längst nicht mehr nur große Konzerne oder Internetfirmen. Fast jede Branche arbeitet heute mit digitalen Kundendaten, Cloud-Systemen oder KI-Anwendungen.
Die aktuelle Bitkom-Bilanz zeigt deshalb vor allem eines. Datenschutz ist gekommen, um zu bleiben. Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob Unternehmen Datenschutz umsetzen müssen, sondern wie praktikabel die Regeln im Alltag tatsächlich funktionieren.
Gerade beim Thema DSGVO Unternehmen, Datenschutz Bürokratie und KI Datenschutz dürfte die Debatte deshalb in den kommenden Jahren weiter an Schärfe gewinnen.
FAQ zur DSGVO und Datenschutz 2026
Warum wird die DSGVO für Unternehmen immer aufwendiger?
Viele Unternehmen müssen ständig neue Technologien, Cloud-Dienste und KI-Anwendungen datenschutzrechtlich prüfen. Zusätzlich sorgen unklare Vorgaben und unterschiedliche Behördenbewertungen für mehr Aufwand.
Welche Rolle spielt KI beim Datenschutz?
KI-Systeme benötigen große Datenmengen zum Training. Genau hier kollidieren Datenschutzregeln häufig mit technischen Anforderungen moderner KI-Modelle.
Was ist der Digital Omnibus der EU?
Der Digital Omnibus ist eine geplante Initiative der Europäischen Union zur Vereinfachung digitaler Regeln. Dabei geht es auch um mögliche Anpassungen bei Datenschutz und KI-Regulierung.
Ist die DSGVO gescheitert?
Nein. Die DSGVO hat Datenschutz europaweit fest etabliert. Allerdings kritisieren viele Unternehmen den hohen Aufwand, die Bürokratie und fehlende Rechtssicherheit.
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