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Bitkom-Länderindex 2026: Schleswig-Holstein fällt zurück

• 08.06.26 Im neuen Bitkom Länderindex 2026 landet das Land nur noch auf Platz 10. Zwei Jahre zuvor reichte es noch für Rang 7. Der Rückgang um drei Plätze wirkt auf den ersten Blick überschaubar, bekommt aber Gewicht, wenn man genauer auf die einzelnen Bereiche schaut. Denn ausgerechnet dort, wo Digitalisierung im Alltag spürbar werden soll, bei Verwaltung,
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Wirtschaft, Forschung, Start-ups und IT-Fachkräften, bleibt Schleswig-Holstein laut Bitkom deutlich hinter mehreren anderen Bundesländern zurück.

Glasfaser stark, Ranking schwächer: Der Norden rutscht auf Platz 10 ab

Schleswig-Holstein steht beim Thema Digitalisierung unter Druck. Wieder einmal.

Die Lage ist also etwas unbequemer, als es eine reine Glasfaserbilanz vermuten lässt. Bei der Infrastruktur steht der Norden gut da. Das Land profitiert von einem starken Glasfaserausbau, einer hohen Gigabitversorgung und vergleichsweise guten Voraussetzungen für Haushalte, Unternehmen und Schulen. Nur löst ein schneller Anschluss allein noch keine Verwaltungsformulare, gründet keine Softwarefirma und lockt auch keine Informatiker ins Land. Schön wäre es natürlich. Spart aber leider keine Strategie.

Bitkom-Länderindex 2026: Schleswig-Holstein fällt zurück
Bitkom-Länderindex 2026: Schleswig-Holstein
fällt zurück
-Bild: © Tarifrechner.de/KI

Die vollständige Untersuchung hat der Branchenverband im Bitkom Länderindex 2026 veröffentlicht. Hintergrundinformationen zur Digitalisierung in Deutschland liefert außerdem das Bundesministerium für Digitales.

Digitalisierung Schleswig-Holstein: Das Ranking im Überblick

Der Bitkom untersucht seit 2024 im zweijährigen Turnus die digitale Entwicklung der Bundesländer. Bewertet werden mehrere Bereiche, darunter Infrastruktur, digitale Wirtschaft, Verwaltung und gesellschaftliche Digitalisierung.

Für Schleswig-Holstein fällt das Ergebnis gemischt aus. Die Infrastruktur bleibt stark, das Gesamtergebnis sinkt. Im Ländervergleich reicht es 2026 nur noch für Rang 10. Hamburg führt die Rangliste an, gefolgt von Berlin, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Am unteren Ende stehen Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

Bundesland Platz im Bitkom Länderindex 2026 Einordnung
Hamburg 1 Spitzenplatz im Bundesvergleich
Berlin 2 Stark bei digitaler Wirtschaft und Gründungen
Hessen 3 Hohe Gesamtbewertung
Bayern 4 Starke Wirtschafts- und Forschungsbasis
Baden-Württemberg 5 Gute Position im oberen Feld
Schleswig-Holstein 10 Rückgang von Platz 7 auf Platz 10
Mecklenburg-Vorpommern 15 Unteres Feld
Thüringen 16 Schlusslicht im Ranking

Für die Landespolitik ist diese Platzierung unangenehm, weil Schleswig-Holstein sich seit Jahren gern als digital ambitioniertes Bundesland präsentiert. Besonders beim Glasfaserausbau stimmt diese Erzählung sogar in vielen Punkten. Die Schwächen liegen an anderer Stelle, und genau dort wird es politisch heikel.

Gute Infrastruktur reicht für echte Digitalisierung nicht aus

Der wichtigste Befund liegt in der Aufteilung der Bewertung. Schleswig-Holstein erreicht bei der digitalen Infrastruktur weiterhin eine starke Position. Der Glasfaserausbau gehört zu den besseren Werten im Bundesvergleich, auch die Gigabitversorgung von Haushalten, Unternehmen und Schulen wird positiv bewertet.

Das ist die gute Nachricht. Sie trägt aber nur einen Teil der Gesamtbewertung.

Bei der digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein fällt das Land laut Bitkom deutlich zurück. In diesem Bereich erreicht Schleswig-Holstein nur Platz 13. Das betrifft unter anderem Neugründungen, Forschung in Schlüsseltechnologien und die Verfügbarkeit von IT-Fachkräften. Damit zeigt sich ein Muster, das man im Norden häufiger sieht: Die Leitung liegt, die Nutzung bleibt hinter den Möglichkeiten zurück.

Zentrale Schwächen laut Bitkom

    • Start-ups Schleswig-Holstein: zu geringe Dynamik bei technologieorientierten Neugründungen • IT-Fachkräfte Schleswig-Holstein: Engpässe bei qualifiziertem Personal • Forschung Digitalisierung: schwächere Werte bei Schlüsseltechnologien • Digitale Wirtschaft: Platz 13 im Ländervergleich • Digitale Verwaltung Schleswig-Holstein: aus Sicht von Bitkom nur im unteren Bereich

Gerade diese Punkte entscheiden darüber, ob ein Bundesland aus seiner Infrastruktur wirtschaftliche Stärke macht. Glasfaser bietet die Grundlage. Wachstum entsteht erst, wenn Unternehmen investieren, Hochschulen und Forschungseinrichtungen relevante Projekte vorantreiben, Gründungen entstehen und Behörden digitale Abläufe zuverlässig nutzbar machen.

Schleswig-Holstein hat hier, eigentlich, eine gute Ausgangslage. Die Nähe zu Hamburg, der starke Mittelstand, Hochschulstandorte wie Kiel, Lübeck und Flensburg sowie die vorhandene Infrastruktur könnten mehr digitale Wertschöpfung ermöglichen. Der Bitkom-Länderindex legt jedoch nahe, dass dieser Vorteil bislang nicht ausreichend in messbare Ergebnisse übersetzt wird.

Digitale Verwaltung bleibt der Streitpunkt

Besonders umstritten ist die Bewertung der Verwaltung. Bitkom sieht Schleswig-Holstein im Schwerpunkt Governance und Verwaltung nur auf Platz 13. Der Verband berücksichtigt dabei unter anderem, wie viele relevante Verwaltungsdienstleistungen für Bürger und Unternehmen tatsächlich online nutzbar sind.

Laut Bitkom waren zum Zeitpunkt der Erhebung 218 von 575 relevanten Leistungen umgesetzt. Diese Zahl steht im deutlichen Gegensatz zur Darstellung der Landesregierung. Die Staatskanzlei verweist auf Angaben, nach denen in Schleswig-Holstein inzwischen mehr als 1.300 Verwaltungsdienstleistungen online verfügbar seien. Daraus leitet das Land eine deutlich bessere Position ab.

Bereich Bewertung laut Bitkom Darstellung der Landesregierung Warum der Unterschied wichtig ist
Online-Verwaltungsleistungen 218 von 575 relevanten Leistungen umgesetzt mehr als 1.300 Leistungen online verfügbar Unterschiedliche Zählweise und Bewertung der praktischen Nutzbarkeit
Governance und Verwaltung Platz 13 Verweis auf bessere OZG-Werte Die Bewertung betrifft nicht nur Anzahl, sondern auch Relevanz und Nutzbarkeit
Digitalministerium Punktabzug wegen fehlendem eigenständigen Digitalministerium Digitalisierung ist in der Staatskanzlei angesiedelt Organisationsfrage mit politischer Wirkung
Bürgerzufriedenheit nur Mittelfeld keine zentrale Gegenbewertung im Ranking Entscheidend ist, wie digitale Angebote im Alltag ankommen

Der Streit dreht sich also nicht nur um eine Zahl. Er dreht sich um die Frage, was als digitale Verwaltungsleistung zählt. Eine Leistung kann online auffindbar sein, aber trotzdem in der Praxis mehrere Brüche enthalten, etwa durch PDF-Formulare, Medienwechsel, fehlende Nutzerkonten oder spätere Papiernachweise. Bürger merken solche Details ziemlich schnell. Behörden übrigens auch, meist nur später.

Die Staatskanzlei hält viele Punkte der Bitkom-Auswertung für nicht nachvollziehbar. Sie verweist darauf, dass die Digitalisierung in Schleswig-Holstein politisch in der Staatskanzlei gebündelt sei und Staatskanzleichef Dirk Schrödter Ministerrang habe. Die Landesregierung sieht darin eine starke zentrale Steuerung.

Bitkom bewertet dagegen auch die institutionelle Struktur. Dass Schleswig-Holstein über kein eigenständiges Digitalministerium verfügt, wirkt sich in der Studie negativ aus. Ob ein eigenes Ministerium automatisch bessere Digitalisierung liefert, ist damit nicht bewiesen. Für den Länderindex zählt dieser Punkt aber als Indikator für politische Verankerung.

FDP fordert Konsequenzen nach dem Abrutschen

Die politische Reaktion fiel entsprechend scharf aus. FDP-Wirtschaftspolitiker Bernd Buchholz wirft der Landesregierung vor, die Ergebnisse nicht ernst genug zu nehmen. Aus seiner Sicht zeigt der Rückgang im Ranking, dass Schleswig-Holstein seine vorhandene Infrastruktur nicht ausreichend nutzt.

Der Vorwurf trifft den Kern der Debatte. Denn bei den Leitungen ist Schleswig-Holstein gut unterwegs. Bei Start-ups, digitaler Wirtschaft und Verwaltungsdigitalisierung fällt das Bild schwächer aus. Wer die Analyse ernst nimmt, muss also weniger über den nächsten Glasfaser-Spatenstich sprechen und stärker über Nutzung, Fachkräfte, Forschung, Gründungen und funktionierende digitale Behördenleistungen.

Die wichtigsten politischen Streitpunkte

  1. Rankingverlust: Schleswig-Holstein fällt von Platz 7 auf Platz 10 zurück.

  2. Digitale Wirtschaft: Im Bitkom-Teilbereich erreicht das Land nur Platz 13.

  3. Verwaltung: Bitkom bewertet Schleswig-Holstein auch hier nur im unteren Bereich.

  4. Methodik: Die Staatskanzlei hält Teile der Bewertung für unvollständig oder falsch interpretiert.

  5. Konsequenzen: Die Opposition fordert eine aktivere Digitalpolitik.

Für die Landesregierung ist die Situation heikel, weil sie einerseits auf reale Fortschritte verweisen kann. Der Glasfaserausbau ist kein Fantasieprodukt. Andererseits reicht dieser Fortschritt im Bitkom-Vergleich nicht mehr, um im oberen Feld zu bleiben. Das Ranking bündelt mehrere Dimensionen, und genau diese Breite macht die Kritik schwerer wegzuwischen.

Warum die Kritik trotz guter Infrastruktur zieht

Digitalisierung wird im Alltag selten an Bandbreiten gemessen. Menschen merken sie, wenn ein Behördengang online funktioniert, wenn Unternehmen schneller gründen können, wenn digitale Fachkräfte Jobs im Land finden und wenn Forschungsergebnisse in Produkte oder Dienstleistungen münden.

Infrastruktur bleibt wichtig. Ohne sie läuft wenig. Aber im Jahr 2026 geht es zunehmend um die zweite Stufe: Was entsteht auf dieser Infrastruktur? Genau hier liefert der Länderindex für Schleswig-Holstein ein nüchternes Bild.

Warum der Bitkom Länderindex für Schleswig-Holstein wichtig ist

Der Bitkom Länderindex 2026 ist kein amtliches Urteil und ersetzt keine Detailanalyse der Landesprogramme. Er ist aber ein Vergleichsinstrument, das sichtbar macht, wo Bundesländer im Verhältnis zueinander stehen. Für Schleswig-Holstein ist das Ergebnis deshalb relevant, weil es mehrere bekannte Baustellen in einer Rangliste zusammenführt.

Die Landesregierung kann einzelne Punkte der Methodik kritisieren. Das ist legitim. Gleichzeitig bleibt die Grundfrage bestehen: Warum erreicht ein Land mit guter digitaler Infrastruktur bei digitaler Wirtschaft und Verwaltung nur schwache Platzierungen?

Diese Frage wird sich nicht durch Verweise auf andere Statistiken erledigen. Sie braucht messbare Antworten. Mehr technologieorientierte Gründungen, bessere Bedingungen für IT-Fachkräfte, stärkere Forschung in digitalen Schlüsselbereichen und Verwaltungsangebote, die Bürger und Unternehmen ohne Umwege nutzen können.

Für Schleswig-Holstein liegt darin auch eine Chance. Das Land muss bei der Infrastruktur nicht bei null anfangen. Viele Voraussetzungen sind vorhanden. Der nächste Schritt besteht darin, aus Netzen, Programmen und Zuständigkeiten greifbare digitale Ergebnisse zu machen. Also Ergebnisse, die nicht nur in einer Tabelle gut aussehen, sondern im Alltag funktionieren.

Der Rückgang auf Platz 10 ist deshalb mehr als eine schlechte Platzierung in einem Branchenranking. Er zeigt, wo Schleswig-Holstein nachlegen muss, wenn der Anspruch eines digitalen Vorreiters weiter gelten soll. Glasfaser bleibt ein Pluspunkt. Die eigentliche Prüfung findet jetzt bei Verwaltung, Wirtschaft und Fachkräften statt.

FAQ zum Bitkom Länderindex 2026

Warum ist Schleswig-Holstein im Bitkom Länderindex 2026 zurückgefallen?

Schleswig-Holstein verliert vor allem wegen schwächerer Bewertungen bei digitaler Wirtschaft, Start-ups, IT-Fachkräften, Forschung und digitaler Verwaltung. Die Infrastruktur bleibt dagegen ein starker Bereich.

Welchen Platz belegt Schleswig-Holstein im Digitalranking 2026?

Schleswig-Holstein erreicht im Bitkom Länderindex 2026 Platz 10. Im Jahr 2024 lag das Land noch auf Platz 7.

Warum gibt es Streit um die digitale Verwaltung?

Bitkom bewertet die tatsächlich relevanten und nutzbaren Online-Verwaltungsleistungen. Die Landesregierung verweist auf eine deutlich höhere Zahl online verfügbarer Leistungen. Dadurch entstehen unterschiedliche Bewertungen.

Was bedeutet das Ranking für die Digitalstrategie des Landes?

Das Ranking erhöht den politischen Druck. Schleswig-Holstein muss zeigen, wie aus guter Infrastruktur mehr digitale Wirtschaft, bessere Verwaltungsangebote, mehr IT-Fachkräfte und stärkere Forschung entstehen.

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