Tausende Lehrer-Laptops in Schleswig-Holstein ungenutzt: SPD kritisiert Millionen-Kosten
• 18.05.26 Die Diskussion um die Schul-Digitalisierung in Schleswig-Holstein bekommt neuen Zündstoff. Tausende Lehrer-Laptops und Tablets liegen offenbar ungenutzt in Schulen oder Lagern. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bildungsministerium auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion veröffentlicht hat.
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Schleswig-Holstein wollte Schulen digitaler machen. Doch tausende Lehrer-Geräte wurden offenbar nie genutzt.
Mehr als 10.000 Notebooks und Tablets blieben laut SPD ausgeschaltet. Jetzt geht es um Millionen Euro Steuergeld.
Besonders heikel ist dabei nicht nur die reine Zahl der Geräte. Es geht auch um die Kosten. Denn während viele Schulen weiterhin über Personalmangel, langsames WLAN oder fehlende digitale Konzepte klagen, wurden offenbar Geräte angeschafft, die im Alltag nie wirklich angekommen sind.
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Tausende Lehrer-Laptops in Schleswig-Holstein ungenutzt -Bild: © Tarifrechner.de/KI |
Die SPD spricht deshalb von einem ernsthaften Problem bei der Steuerung der Digitalisierung an Schulen. Das Bildungsministerium verweist dagegen auf Reserven, spätere Einsätze und organisatorische Abläufe.
Fest steht: Das Thema dürfte die Bildungspolitik in Schleswig-Holstein noch lange beschäftigen.
Mehr als 10.000 Lehrer-Geräte offenbar nie genutzt
Nach Angaben des Landes stehen Lehrkräften in Schleswig-Holstein insgesamt 34.900 digitale Endgeräte zur Verfügung. Dazu gehören Notebooks und Tablets. Laut den vorliegenden Zahlen wurden davon im vergangenen Jahr lediglich 24.021 Geräte eingeschaltet.
Das bedeutet im Umkehrschluss: 10.879 Lehrer-Laptops und Tablets blieben offenbar ungenutzt.
Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion.
| Übersicht Lehrer-Endgeräte Schleswig-Holstein | Zahl |
|---|---|
| Bereitgestellte Geräte insgesamt | 34.900 |
| Genutzte Geräte 2025 | 24.021 |
| Nicht eingeschaltete Geräte | 10.879 |
| Geräte ohne Einsatz | 31 Prozent |
| Schulen mit Ausstattung | 773 von 795 |
Damit blieb fast jedes dritte Gerät im vergangenen Jahr offenbar ungenutzt. Genau dieser Wert sorgt jetzt für Kritik.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Martin Habersaat, hält die Situation für problematisch. Laut seiner Berechnung liegen allein die Anschaffungskosten der ungenutzten Geräte bei mehr als 6,7 Millionen Euro.
Warum die Kritik für das Bildungsministerium gefährlich wird
Politisch ist der Vorgang vor allem deshalb heikel, weil Schleswig-Holstein bereits den nächsten großen Geräteaustausch plant.
Nach früheren Angaben sollen Lehrkräfte in den kommenden Jahren rund 34.000 neue Laptops und Tablets erhalten. Dafür stehen etwa 33 Millionen Euro bereit.
Genau hier setzt die Kritik der Opposition an. Denn wenn schon jetzt tausende Geräte ungenutzt bleiben, stellt sich automatisch die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf.
Die SPD wirft dem Land deshalb fehlende Kontrolle und mangelnde Steuerung vor.
Das Bildungsministerium argumentiert dagegen, dass nicht jedes Gerät dauerhaft aktiv genutzt werden müsse. Ein Teil befinde sich in Reserve, andere Geräte warteten noch auf ihren Einsatz oder seien für personelle Wechsel vorgesehen.
Trotzdem bleibt ein unangenehmer Eindruck zurück. Denn eigentlich sollten die digitalen Endgeräte für Lehrkräfte den Unterricht moderner machen, die Organisation erleichtern und digitale Lernplattformen stärken.
Wenn ein großer Teil der Technik jedoch im Schrank liegt, wird schnell die Frage laut, ob Hardware allein überhaupt ausreicht.
Das eigentliche Problem könnte tiefer liegen
Die Diskussion zeigt vor allem eines: Digitalisierung an Schulen scheitert oft nicht an der Technik allein.
Viele Schulen kämpfen weiterhin mit langsamen Netzwerken, komplizierten Verwaltungsstrukturen oder fehlender IT-Betreuung. Dazu kommt, dass digitale Unterrichtskonzepte von Schule zu Schule stark variieren.
Ein Tablet allein macht noch keinen digitalen Unterricht.
Lehrkräfte benötigen funktionierende Plattformen, stabile Zugänge, klare Datenschutzregeln und Fortbildungen. Genau daran hapert es vielerorts.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Manche Lehrkräfte arbeiten weiterhin mit privaten Geräten oder bereits vorhandener Technik. Andere Schulen haben unterschiedliche Systeme im Einsatz.
Dadurch entstehen schnell doppelte Strukturen.
| Mögliche Ursachen für ungenutzte Lehrer-Laptops | Einordnung |
|---|---|
| Reservegeräte | Geräte für Ausfälle oder neue Lehrkräfte |
| Fehlende IT-Strukturen | Probleme mit WLAN, Verwaltung oder Support |
| Private Endgeräte | Lehrkräfte nutzen eigene Technik weiter |
| Fehlende Konzepte | Digitale Geräte sind nicht fest im Unterricht integriert |
| Organisatorische Verzögerungen | Geräte noch nicht vollständig verteilt |
Gerade deshalb dürfte die Debatte jetzt über reine Hardware hinausgehen.
Schleswig-Holstein setzt weiter auf digitale Schulen
Trotz der Kritik bleibt die Landesregierung beim Ausbau digitaler Bildung. Schulen bestellen ihre Geräte gemeinsam mit den Schulträgern. Dabei kommen unter anderem iPads, Surface-Geräte und HP-Notebooks zum Einsatz.
Die technische Abwicklung läuft über Dataport.
Das Land verweist außerdem darauf, dass Schulen unterschiedlich schnell digital arbeiten. Manche Einrichtungen setzen Tablets bereits selbstverständlich im Unterricht ein. Andere stehen noch am Anfang.
Auch die Regeln für digitale Geräte im Unterricht wurden zuletzt angepasst.
Seit August 2025 gelten neue Rahmenvorgaben für die Nutzung digitaler Endgeräte an weiterführenden Schulen und Förderzentren.
Weitere Informationen zur digitalen Bildungsstrategie in Schleswig-Holstein gibt es direkt beim Bildungsportal Schleswig-Holstein.
Wie die Ausstattung von Schulen bundesweit bewertet wird, zeigt außerdem eine Übersicht beim Digitalverband Bitkom.
Die ursprünglichen Zahlen zu den ungenutzten Geräten wurden unter anderem durch Medienberichte bekannt. Eine Übersicht dazu findet sich bei der Quelle WELT.
Warum der Fall bundesweit Aufmerksamkeit bekommen dürfte
Der Streit um die ungenutzten Lehrer-Laptops trifft einen Nerv, weil viele Bundesländer ähnliche Probleme kennen.
Während Milliarden in die Digitalisierung von Schulen fließen, fragen sich Eltern, Lehrkräfte und Steuerzahler zunehmend, wie effizient das Geld tatsächlich eingesetzt wird.
Die eigentliche Herausforderung beginnt oft erst nach dem Kauf der Geräte.
Dann geht es um Betreuung, Wartung, Schulungen und die Frage, wie digitale Technik im Unterricht sinnvoll eingesetzt wird.
Genau deshalb könnte der Fall aus Schleswig-Holstein auch bundesweit Signalwirkung haben.
Denn die Zahlen zeigen ein Grundproblem vieler Digitalprojekte: Technik lässt sich schnell bestellen. Nachhaltige Nutzung ist deutlich schwieriger.
FAQ zu den Lehrer-Laptops in Schleswig-Holstein
Wie viele Lehrer-Laptops wurden offenbar nicht genutzt?
Laut den veröffentlichten Zahlen wurden 10.879 Geräte im vergangenen Jahr nicht eingeschaltet.
Wie viele digitale Endgeräte gibt es insgesamt?
In Schleswig-Holstein stehen Lehrkräften insgesamt 34.900 Notebooks und Tablets zur Verfügung.
Warum kritisiert die SPD das Projekt?
Die SPD sieht hohe Kosten für Technik, die offenbar nicht genutzt wird. Die Opposition spricht von Millionen-Ausgaben ohne ausreichende Kontrolle.
Plant Schleswig-Holstein weitere Geräte?
Ja. In den kommenden Jahren sollen erneut rund 34.000 neue Geräte für Lehrkräfte beschafft werden.
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