Blitzerwarnapps vor dem Aus? Bundesländer fordern Totalverbot
• 15.01.26
Blitzerwarnapps gehören für viele Autofahrer längst zum digitalen
Alltag. Anwendungen wie Blitzer.de, Waze oder
TomTom AmiGO versprechen Schutz vor teuren Überraschungen und Punkten
in Flensburg. Doch genau diese Apps stehen aktuell massiv unter politischem
Druck. Die Bundesländer fordern ein vollständiges Verbot
von Blitzerwarnapps - inklusive Besitz und Installation. Als Vorbild dient
unter anderem Frankreich, wo bei Verstößen Strafen von bis zu 1.500 Euro drohen.
Blitzerwarnapps vor dem Aus? Warum die Bundesländer ein vollständiges Verbot fordern
Nach geltendem deutschem Recht ist die Nutzung von Blitzerwarnapps
während der Fahrt verboten. Das betrifft sowohl Fahrer als auch
Beifahrer. Der bloße Besitz oder die Installation einer solchen App ist
bislang jedoch erlaubt. Wird eine aktive Nutzung festgestellt, drohen 75
Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.
Genau hier sehen die Länder ein Problem. In der Praxis ist es für
Polizeibeamte kaum möglich nachzuweisen, ob eine App tatsächlich aktiv
war. Viele Nutzer schließen die Anwendung bei Kontrollen einfach
rechtzeitig. Diese Grauzone soll nun beseitigt werden.
Warum die Bundesländer ein Totalverbot fordern
Durchsetzung kaum möglich
In einer Stellungnahme des Bundesrates heißt es, das bestehende Verbot
dürfe nicht länger von Zufallsfunden abhängen. Die Durchsetzung des
Nutzungsverbots sei ineffektiv und untergrabe die präventive Wirkung
von Geschwindigkeitskontrollen.
Kritik an Zweck und Vermarktung
Die Länder argumentieren ungewöhnlich deutlich. Blitzerwarnapps verfolgten
keinen anderen Zweck als die Umgehung der Verkehrsüberwachung. In
App-Stores würden sie teils mit Aussagen beworben, sie hätten Nutzern "schon
oft den Führerschein gerettet".
Frankreich als Vorbild für ein Mitführverbot
Als Referenz verweisen die Länder auf Frankreich. Dort
gilt ein umfassendes Mitführverbot für Blitzerwarnsysteme. Es spielt
keine Rolle, ob es sich um eine App, ein mobiles Gerät oder ein fest
eingebautes System handelt. Bereits das Vorhandensein ist strafbar. Die
Geldstrafe kann bis zu 1.500 Euro betragen.
Position der Bundesregierung
Die Bundesregierung lehnt ein generelles Verbot bislang ab. Aus dem
Bundesverkehrsministerium heißt es, die bestehende Rechtslage sei
ausreichend. Entscheidend sei nicht ein neues Gesetz, sondern eine höhere
Kontrolldichte. Für diese seien die Länder selbst
verantwortlich.
Welche Blitzerwarnapps aktuell auf dem Markt sind
Beliebte Blitzer-Apps in Deutschland
App
Funktion
Besonderheiten
Blitzer.de
Blitzerwarnung
Große Community, sehr verbreitet
CamSam
Blitzerwarnung
Nutzt Blitzer.de-Datenbank
Radarbot
Blitzerwarnung
International nutzbar
POIbase
POI- & Blitzerwarnung
Kompatibel mit Navis
Navigations-Apps mit Blitzerhinweisen
App
Typ
Hinweise
Waze
Navigation
Community-Meldungen
TomTom AmiGO
Navigation
Kostenlos, Echtzeitdaten
Sygic
Navigation
Premium-Funktionen
HERE WeGo
Navigation
Gefahrenstellen-Hinweise
Graubereich: Festeingebaute Systeme
Ein weiterer Streitpunkt sind festeingebaute
Navigationssysteme. Viele Hersteller sprechen nicht von Blitzern,
sondern von "Gefahrenstellen". Juristisch bewegt sich das in einem
Graubereich. Ein generelles Verbot würde auch hier neue Fragen aufwerfen.
Was ein Totalverbot für Autofahrer bedeuten würde
Sollte es zu einem vollständigen Verbot kommen, wäre bereits die
Installation einer Blitzerwarnapp strafbar. Kontrollen könnten deutlich
einfacher durchgeführt werden. Gleichzeitig würde dies tief in die digitale
Privatsphäre eingreifen und neue rechtliche Diskussionen auslösen.
Ausblick: Kommt das Verbot wirklich?
Ob das Totalverbot tatsächlich umgesetzt wird, ist offen. Der Vorstoß ist
Teil der geplanten Reform des Straßenverkehrsgesetzes. Das parlamentarische
Verfahren dürfte sich noch ziehen. Klar ist jedoch: Die Debatte um
Blitzerwarnapps ist längst keine Randnotiz mehr, sondern ein
Grundsatzstreit zwischen Technik, Kontrolle und Verkehrssicherheit.
Für Autofahrer bleibt vorerst alles beim Alten. Doch der politische Druck
wächst - und mit ihm die Wahrscheinlichkeit, dass Blitzerwarnapps in
Deutschland bald Geschichte sein könnten.
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