Linux statt Windows: Kiel stellt über 200 Behörden-PCs um
• 25.09.26 Schleswig-Holstein kommt beim Abschied von Microsoft einen weiteren Schritt voran. In der Kieler Staatskanzlei arbeiten inzwischen mehr als 200 Beschäftigte mit Linux statt mit Windows. Die Umstellung des Betriebssystems ist damit dort weitgehend abgeschlossen. Ganz verschwunden ist Windows allerdings noch nicht: Einige Arbeitsplätze bleiben wegen technischer Abhängigkeiten spezieller|
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Linux statt Windows: Kiel stellt über 200 Behörden-PCs um
Der Betriebssystemwechsel in der Regierungszentrale ist mehr als eine Ankündigung für die kommenden Jahre. Nach aktuellen Angaben arbeiten inzwischen mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatskanzlei mit Linux. Digitalisierungsminister Dirk Schrödter stellte den erreichten Stand im Umfeld der Kieler Open Source und Linux Tage vor. Damit ist der Linux-Desktop erstmals in einem größeren Teil der Landesverwaltung im regulären Arbeitsalltag angekommen.Vollständig ist der Abschied von Windows dennoch nicht. Rund 20 Arbeitsplätze bleiben nach aktuellen Berichten zunächst beim Microsoft-Betriebssystem. Ursache sind Fachanwendungen und technische Abhängigkeiten, die bislang nicht ohne Weiteres unter Linux ersetzt oder betrieben werden können. Genau diese Ausnahmen zeigen, wo eine großflächige Migration in der Verwaltung schwieriger wird als der reine Austausch eines Betriebssystems.
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Über 200 Arbeitsplätze der Staatskanzlei laufen inzwischen mit Linux -Bild: © TelefonTarifrechner.de |
Nur wenige Arbeitsplätze bleiben vorerst bei Windows
Die verbliebenen Windows-Systeme sind für die weitere Entwicklung besonders interessant. Nach den bislang veröffentlichten Angaben geht es nicht darum, Windows aus Bequemlichkeit parallel weiterzubetreiben. Vielmehr hängen einzelne Fachverfahren noch von technischen Komponenten ab, für die eine passende Linux-Lösung fehlt oder deren Umstellung zusätzlichen Aufwand verursacht.Für eine öffentliche Verwaltung ist das ein entscheidender Unterschied. Standardprogramme wie Browser, Office-Anwendungen oder E-Mail-Clients lassen sich vergleichsweise planbar ersetzen. Schwieriger wird es bei Anwendungen, die über Jahre speziell für einzelne Verwaltungsaufgaben entwickelt wurden. Solche Programme können auf bestimmte Windows-Komponenten, Datenbanken, Schnittstellen oder proprietäre Dateiformate angewiesen sein.
Die Staatskanzlei ist deshalb noch kein Beleg dafür, dass sich sämtliche Arbeitsplätze der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung kurzfristig ohne Ausnahmen auf Linux umstellen lassen. Sie liefert jedoch praktische Erfahrungen für die nächsten Behörden, in denen größere und teilweise komplexere Fachanwendungen zum Einsatz kommen.
Der Wechsel begann lange vor dem Linux-Desktop
Schleswig-Holstein verfolgt seine Open-Source-Strategie schon seit mehreren Jahren. Der Wechsel des Betriebssystems ist dabei nur ein Baustein. Zuvor hat das Land unter anderem Microsoft Office durch LibreOffice ersetzt und die E-Mail-Infrastruktur von Microsoft Exchange und Outlook auf offene Lösungen umgestellt.Bereits 2025 hatte das Land die Migration von mehr als 40.000 Postfächern auf Open-Xchange gemeldet. Für den Zugriff auf E-Mails kommt unter anderem Thunderbird zum Einsatz. Auch bei Videokonferenzen, Dateiablage, Verzeichnisdiensten und Telefonie setzt Schleswig-Holstein zunehmend auf Open-Source-Technik.
Die offizielle Linux- und Open-Source-Strategie des Landes Schleswig-Holstein beschreibt den Linux-Arbeitsplatz als Teil eines größeren Vorhabens. Ziel ist nicht lediglich ein neues Desktop-System, sondern eine Infrastruktur, bei der zentrale Komponenten nicht dauerhaft von einem einzelnen proprietären Hersteller abhängen.
Von LibreOffice bis zur Open-Source-Telefonie
Wie breit die Umstellung inzwischen angelegt ist, zeigt die Liste der bereits begonnenen Projekte. Neben Linux und LibreOffice gehören Open-Xchange, Thunderbird, die Videokonferenzlösung OpenTalk, Nextcloud und der Verzeichnisdienst Nubus zum vorgesehenen Arbeitsplatz. Im August 2026 kündigte das Land außerdem die Umstellung seiner Telefonie auf die Open-Source-Kommunikationsarchitektur OSKAR an.Damit verfolgt Schleswig-Holstein einen anderen Ansatz als bei einer isolierten Linux-Installation. Würde lediglich Windows ausgetauscht, während zentrale Dienste im Hintergrund weiterhin vollständig von proprietären Plattformen abhängen, bliebe ein wesentlicher Teil der Herstellerabhängigkeit bestehen. Die Landesregierung will deshalb mehrere Ebenen ihrer IT-Infrastruktur schrittweise verändern.
Bereits in unserem früheren Bericht über Schleswig-Holsteins Wechsel von Microsoft zu Open Source haben wir die übergeordnete Strategie betrachtet. Der nun weitgehend abgeschlossene Linux-Umstieg in der Staatskanzlei ist der nächste konkrete Schritt innerhalb dieses längerfristigen Projekts.
Die wichtigsten Linux-Schritte im Überblick
| Bereich | Stand beziehungsweise Lösung |
|---|---|
| Desktop-Betriebssystem | Linux auf mehr als 200 Arbeitsplätzen der Staatskanzlei |
| Verbleibende Windows-Systeme | Rund 20 Arbeitsplätze wegen technischer Abhängigkeiten |
| Office | LibreOffice |
| E-Mail-System | Open-Xchange |
| E-Mail-Client | Thunderbird |
| Videokonferenzen | OpenTalk |
| Dateien und Zusammenarbeit | Nextcloud als Bestandteil der Open-Source-Strategie |
| Verzeichnisdienst | Univention Nubus |
| Telefonie | Umstellung auf OSKAR begonnen |
Warum Schleswig-Holstein auf digitale Souveränität setzt
Als zentrales Ziel nennt die Landesregierung die digitale Souveränität. Gemeint ist damit, dass der Staat seine IT-Systeme möglichst selbstbestimmt betreiben, anpassen und weiterentwickeln können soll. Offene Standards und quelloffene Software sollen Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern reduzieren und einen Anbieterwechsel erleichtern.Open Source bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Betrieb kostenlos ist. Auch freie Software verursacht Kosten für Einführung, Migration, Administration, Schulungen, Weiterentwicklung und Support. Schleswig-Holstein arbeitet deshalb unter anderem mit dem öffentlichen IT-Dienstleister Dataport und spezialisierten Open-Source-Unternehmen zusammen.
Entscheidend ist langfristig vielmehr die Frage, wie gut sich Software austauschen und unabhängig betreiben lässt. Lizenzkosten sind dabei nur ein Teil der Rechnung. Ebenso relevant sind der Aufwand für Migrationen, Schnittstellen, Support und die Anpassung von Fachverfahren.
Staatskanzlei ist erst der Anfang des Linux-Rollouts
Die mehr als 200 umgestellten Arbeitsplätze dürfen nicht mit der gesamten Landesverwaltung gleichgesetzt werden. Schleswig-Holstein beschäftigt in den betroffenen Verwaltungsbereichen Zehntausende Menschen. Der Schritt in der Staatskanzlei ist deshalb vor allem ein Pilotprojekt für einen wesentlich größeren Rollout.Nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts sollen weitere Ministerien und Landesbehörden folgen. Dabei wird sich zeigen, wie gut die Erfahrungen aus der Staatskanzlei auf Bereiche mit komplexeren Fachanwendungen übertragen werden können. Gerade dort könnten technische Abhängigkeiten erheblich größer sein als bei den bislang verbliebenen rund 20 Windows-Arbeitsplätzen in Kiel.
Auch die Ablösung älterer Fachanwendungen bleibt Teil der Aufgabe. Schleswig-Holstein hatte 2026 beispielsweise angekündigt, mehr als 100 auf Microsoft Access basierende Fachverfahren schrittweise zu ersetzen. Damit betrifft die Open-Source-Strategie nicht nur sichtbare Programme auf dem Desktop, sondern zunehmend auch technische Strukturen im Hintergrund.
Linux-Wechsel liefert einen Praxistest für andere Behörden
Der aktuelle Stand in Kiel zeigt zugleich, dass eine Migration nicht zwingend nach dem Prinzip "alles oder nichts" erfolgen muss. Dort, wo Fachsoftware noch Windows voraussetzt, bleiben entsprechende Systeme vorerst erhalten. Parallel können Standardarbeitsplätze bereits auf Linux betrieben werden.Für andere Behörden dürfte gerade diese Vorgehensweise interessant sein. Eine schrittweise Umstellung kann technische Risiken begrenzen und erlaubt es, Probleme zunächst in überschaubaren Bereichen zu lösen. Ob sich das Modell ohne größere Reibungsverluste auf die gesamte Landesverwaltung übertragen lässt, wird sich erst mit den kommenden Rollout-Stufen zeigen.
Weitere Hintergründe zum ursprünglichen Open-Source-Beschluss finden Leser auch in unserem Beitrag zum Wechsel Schleswig-Holsteins auf LibreOffice und Open Source.
FAQ zur Linux-Umstellung in Schleswig-Holstein
Hat Schleswig-Holstein Windows vollständig abgeschafft?
Nein. In der Kieler Staatskanzlei ist die Umstellung weitgehend abgeschlossen, doch rund 20 Arbeitsplätze bleiben zunächst bei Windows. Auch in der übrigen Landesverwaltung läuft der Linux-Rollout noch weiter.
Wie viele Beschäftigte der Staatskanzlei arbeiten mit Linux?
Nach den aktuell veröffentlichten Angaben nutzen mehr als 200 Beschäftigte der Kieler Staatskanzlei Linux an ihren Arbeitsplätzen.
Warum gibt es weiterhin Windows-PCs?
Einige Fachverfahren besitzen noch technische Abhängigkeiten zu Windows. Solange diese Anwendungen nicht angepasst oder ersetzt sind, werden die betroffenen Arbeitsplätze weiter mit dem Microsoft-Betriebssystem betrieben.
Welche Microsoft-Programme wurden bereits ersetzt?
Zu den größeren Schritten gehören die Einführung von LibreOffice sowie die Ablösung von Microsoft Exchange und Outlook durch Open-Xchange und Thunderbird. Weitere Open-Source-Komponenten werden ebenfalls eingeführt.
Soll die gesamte Landesverwaltung auf Linux wechseln?
Linux soll überall dort eingesetzt werden, wo dies technisch möglich ist. Die Staatskanzlei dient dabei als früher größerer Praxiseinsatz. Weitere Ministerien und Landesbehörden sollen schrittweise folgen.Weitere Infos zu den derzeitigen Angeboten erhalten Sie bei unserem Linux-Preisvergleich.
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